Beschreibung

Das Apple Filing Protocol (kurz AFP) ist des Macs Hausprotokoll, wenn es um Dateitransfers zwischen verschiedenen Rechnern geht. Es zeichnete sich von Anfang an durch Unterstützung für Mac-typische Semantiken aus, wie bspw:

  • Transport von Finder-Metadaten und Resourceforks als Teil des Netzwerkprotokolls
  • Unterstützung von sogenannten Catalog Node IDs (CNIDs) für die Referenzierung auf Objekte (bspw. per Alias)
  • Blitzschnelle Suche nach Dateien auf anderen Maschinen durch serverseitige Suche in der Schreibtischdatei

Aktuellste Version ist AFP 3.2, welche im Gegensatz zur ersten wirklich Mac OS X tauglichen Version 3.1 nur geringfügige Erweiterungen erfuhr. AFP konnte früher ausschließlich per AppleTalk transportiert werden, eine Zeit lang parallel ebenfalls per TCP/IP und seit Version 3.0 nur noch per letzterem.

Designziele

AFP stellt vom Start weg den Versuch dar, Dateitransfers auch für Nicht-Informatiker beherrschbar zu machen. Durch die Einbettung in die AppleTalk-Protokollfamilie waren Komfortfeatures wie simples Auffinden von Netzwerkresourcen (Drucker, Server, andere Macs, etc.) sowieso schon gegeben. AFP selbst dehnte diesen Komfort auf den Bereich des FileSharing aus. Bedingt durch die Referenzierung auf IDs (bspw. "Datei namens Test.txt im Ordner mit der ID 212 auf dem Volume mit der ID 4") anstatt ausschließlich absoluter Pfade (bspw. C:\\Daten\Test.txt) bleiben Alias-Referenzen auf Objekte erhalten, selbst wenn man diese verschiebt oder umbenennt.

Implementationen

Das MacOS bringt eine AFP-Client-Implementation von Haus aus mit (ab MacOS X ist intern /sbin/mount_afp für direktes Mounten von AFP-Freigaben zuständig -- als Anwender merkt man davon aber nicht viel).

Als Serverkomponente lagen dem klassischen MacOS das "Personal FileSharing" bei (lahm, nur AppleTalk-fähig) -- wollte man mehr, musste man Apples kommerzielles AppleShare-Paket (später AppleShare IP, kurz ASIP genannt) kaufen. Seit MacOS X gibt es diese Unterscheidung nicht mehr. Der AppleFileServer ist sowohl bei der Desktop- als auch Server-Version von MacOS X an Bord und funktional identisch (abgesehen von max. Benutzeranzahl und Verwaltungskomfort -- bzgl. letzerem hilft aber SharePoints).

Für andere Betriebsysteme gibt und gab es eine Reihe kommerzieller und ein paar freie Implementationen, deren Funktionsumfang aber teils stark differiert.

Einordnung innerhalb der "Konkurrenz"

Das Apple Filing Protocol war vor MacOS X das einzige mit Bordmitteln nutzbare FileSharing-Protokoll zwischen verschiedenen Macs (Personal FileSharing bzw. ASIP). Lösungen für andere Protokolle waren zwar verfügbar aber kosteten jeweils und integrierten sich teils nicht allzu gut.

Mit MacOS X stehen nun scheinbar gleichwertig neben AFP weitere Protokolle wie SMB, NFS oder WebDAV. Apple gibt sich zwar durchaus Mühe, diese aufgrund der fehlenden Mac-Semantiken eigentlich untauglichen Netzwerkprotokolle auf dem VFS-Layer zu integrieren, allerdings gelingt dies nur teilweise (siehe diesen Netzwerk Filesystem Tester. Wenn man also von seltsamen Phänomenen wie bspw. der Unmöglichkeit, aus Anwendungen direkt auf einen Server speichern zu können, etc. verschont bleiben will, sollte man auch weiterhin AFP in aktuellen Versionen den Vorzug geben.

AFP hängt des weiteren das Gerücht nach, es seie langsam und würde das Netzwerk verstopfen. Mochte das noch auf die Situation von vor 10 Jahren (ausschließlich AppleTalk-basiert und daher relativ ineffizient in Ethernet-Netzwerken) zugetroffen haben, stimmt das heutzutage keineswegs mehr. In LAN-Situationen ist AFP ausgesprochen effizient und schnell.

Historie

AFP hieß ursprünglich "AppleTalk Filing Protocol", und AppleTalk (genauer DDP) war auch ursprünglich die einzig mögliche Transportschicht. Ungefähr zu den Zeiten von AFP 2.1/2.2 (ca. 1997) ermöglichte Apple, ebenfalls TCP/IP als Transportschicht zu nutzen -- und zwar ziemlich Mac-like: Der ursprüngliche Kontakt zwischen AFP-Client und -Server konnte ruhig weiterhin per AppleTalk (also bequem per Auswahl) stattfinden. Bemerkte dann der Client, daß der Server sich als TCP/IP-fähig zu erkennen gab, versuchte er automatisch von sich aus auf diese effizientere Transportschicht umzuschalten. In den meisten Netzwerken fand daher der Übergang von AFP over AppleTalk zu AFP over TCP schleichend und von den Anwendern völlig unbemerkt statt.

MacOS X kommt am Besten mit AFP ab Version 3.0 klar, weil mit dieser Protokollversion der Schwenk hin zu einem Unix-Unterbau und weg von alten Paradigmen einherging (Ab 3.0 Wegfall der 31 Byte Datei-/Ordnernamenbegrenzung, Wegfall der 2/4 GByte Dateigrößenlimitierung, Einführung von Unicode-Dateinamen, "Unix Privileges", etc.)

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Zuletzt geändert am 18.04.2010 18:39 Uhr (1 Besuche)

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