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  1.   1.  Beschreibung
  2.   2.  Die original Produkt-Broschüre
  3.   3.  Feature-Auszug
  4.   4.  Detektiv-Arbeit
  5.   5.  Handelregisterauszug
  6.   6.  Teilwende
  7.   7.  Fazit
  8.   8.  Verweise

1.  Beschreibung

Das waren noch Zeiten!

Man schrieb das Jahr 1997, und Apple war stark damit beschäftigt, Copland zu entwickeln. Da behauptete die damalige Sächsische "Firma" Omega, sie hätte ein alternatives Betriebssystem für Apple Computer entwickelt -> COS, das Crypto Operating System. Die Meldung, die heute noch im Archiv der c´t einsehbar ist, passte in die Zeit der Mac-Clone. Damals konnte jeder eine Lizenz von Apple erwerben und eigene Mac-"Kompatible" Rechner vertreiben. Ein Betriebssystem, das nicht von Apple stammte, hätte den Markt also aufrollen können. Viele eingefleischte Fans wären in dieser Zeit gerne komplett umgestiegen. Apple wehte teilweise ein eisiger Wind aufgrund falscher Produktpolitik ins Gesicht.

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Hauptfeatures dieses Krypto-Betriebssystemes sollten die Erfüllung der Sicherheitsanforderungen der B2-Klassifikation des amerikanischen Verteidigungsministeriums sein. Hier war ein erster Widerspruch zu erkennen, da diese Richtlinie auch Räume und andere Dinge voraussetzt, aber es las sich erst einmal gut, und sämtliche Pressestellen gingen der Omega-Pressemeldung erst einmal auf den Leim.

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Das Betriebssystem sollte 169 DM kosten und wäre als Shareware vertrieben worden. Alle warteten auf eine kostenlose Testversion, die 20 Tage lauffähig gewesen wäre. Bis heute.

Schnell wurden in der Szene Gerüchte gestreut, Männer aus ehemaligen DDR-Sicherheitsabteilungen hätten sich selbständig gemacht und würden ihr Wissen nun für kommerzielle und sinnvolle Absichten einsetzen. Der Hammer kam dann 1997 auf der deutschen Macworld & Publishing Expo '97 (13. bis 15.November) in Düsseldorf, einer damals sehr stark frequentierten Messe. Omega war da, und den anfänglichen Fake-Rufern wurde angst und bange. Ein Messestand ist teuer, und wer investiert schon so viel Geld in einen Fake? Auch dem Gerücht, es handele sich um ehemalige DDR-Agenten, wurde Rechnung getragen. Die älteren Herrn am Messestand entsprachen nicht der Mac-Szene und unterstützten ein wenig den Kleidungsstil der damaligen Ost-Zeit. Gezeigt wurde auf dem Stand nichts. Der im Vorfeld garantierte Präsentationstermin konnte nicht eingehalten werden. Es wurde viel geredet und Visitenkarten ausgetauscht. Konkrete Anfragen und die Bitte auf ein Nach-Messe-Treffen in den Geschäftsräumen der Firma wurden zugesagt, jedoch nicht eingehalten – wie auch?

Kurze Zeit später nannte die Firma sich in Agemo (schon wieder eine kreative Spielerei) um und versank dorthin, woher sie hergekommen war, mitsamt ihrer großen Fake-Blase. Zu diesem Zeitpunkt ging jeder von einem sehr aufwendig gemachten Fake aus. Der größte Fake der Mac-Geschichte, der allerdings viele Jahre später noch ein Nachspiel bekam.

Das Betriebssystem wurde von Weired als "The X-Files operating system" bezeichnet, analog zu einer X-Files Episode (Ghost in the Machine), in der ein Killer-Computer namens COS vorkam. Öfters tauchte auch der Name Janus COS als Bezeichnung des Produktes auf. Mit den Namen der Aktion z.B. Ma+COS=MacOS konnte man sehr schön spielen.

2.  Die original Produkt-Broschüre

Lange hatte es gedauert, bis ein ApfelWIki-User diesen Artikel hier las und sich an eine in seinem Besitz befindliche original Broschüre erinnerte, die damals auch auf dem Messestand verteilt wurde. Diese einfach aufgemachte Broschüre gibt es daher nun zum Download.

COS Broschüre, deutsch (PDF, 500k), COS Broschüre, engl. (PDF, 352k) (zum Download ALT-Taste drücken)

3.  Feature-Auszug

  • B2-Klassifikation, mit integriertem PGP-Client
  • Preemptives Multitasking, Speicherschutz
  • Clustering features
  • Multiprozessorfähig
  • Mac OS Kompatibilität
  • Jeder User hat einen eigenen Workplace
  • 85% der Software für System 7 und 8 sind lauffähig
  • Volle QuickTime Unterstützung (Eigenentwicklung)
  • Volle Unterstützung alle Adobe Produkte
  • Volle Integration in UNIX
  • Ein Mac ROM wird nicht benötigt (diese Funktion sollte aber nicht direkt verfügbar sein)
  • Benötigt 500 - 4000 KB RAM
  • Benötigt Disk 12 - 15 MB Speicher auf der Festplatte
  • Unterstützt 68030, 68040 und PowerMac, Micro-Kernel Architektur

Am Rande ist noch interessant, dass es noch ein COS gab, das Cray Operating System. Dieses aber dann wirklich.

4.  Detektiv-Arbeit

Damals waren viele User aktiv, um die Omega GmbH zu enttarnen. Sie bekamen beispielsweise heraus, welche Domainnamen noch auf die Firma registriert waren (die Links führen heute ins Leere):

Die ehemalige Adresse der "Firma":
Omega GmbH
Soft- und Hardware
Brückenstraße 4
09366 Stollberg/Sachsen
Tel.: +49 37 29 6 38 65
Fax.: +49 37 29 6 38 68

Die Firma entwickelte angeblich noch ein zweites Produkt, ein Hochsicherheitssystem für Intranets in Unternehmen auf UNIX-Basis (genau genommen OPENSTEP42) Zerberus, das merkwürdigerweise genauso heißen sollte wie die damals beliebte Z-Netz-Software bzw. dessen Übertragungsprotokoll Zerberus. So zeigte es jedenfalls ihre Homepage am 27. Oktober 1997. Auch sollte es auf PC-Basis für kleine Netze und Einzelrechner ein COS geben.

Geschäftsführer der Omega GmbH war ein Manfred Schmitz. Laut dem Omega Briefbogen hatte die Firma ihren Sitz in Stollberg und wurde unter der HRB 13599 beim Amtsgericht Chemnitz als GmbH geführt.

5.  Handelregisterauszug

In einem ApfelWiki vorliegenden Handelsregisterauszug ist neben Schmitz auch ein Herr oder Frau Laufmann als Gesellschafter eingetragen. Der Gegenstand des Unternehmens war die Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Software für cryptografische-steganographische Datenverschlüsselung, Hochleistungskommunikations-Hardwarekomponenten, Vermarktung von weltweiten Hochleistungsdatennetzen und weiteren Informationstechnologien. Die Gesellschaft wurde laut Gesellschaftervertrag vom 5. Juli 1997 eingetragen.

Das Stammkapital lag bei den üblichen 50.000 DM, wurde am 4. März 1997 dann um 202.300 DM angehoben.

6.  Teilwende

Am 10. Januar 1998 überraschte dieser mit einer seltsamen und mysteriösen Erklärung auf seiner damaligen Homepage. Kurze Zeit später, am 21. April 1998, erschien nur noch die Meldung, dass der Domainname wegen markenrechtlicher Geschichten abgegeben werden musste, und ein Hinweis auf die neue Seite agemo.com. Die Domain omega.de ging dann an eine amerikanische Firma für Messtechnik, die auch schon vorher unter omega.com agierte.

Tatsächlich war Schmitz damals auf Kapitalsuche. So beweisen es auch Dokumente, die ApfelWiki vorliegen, und es muss davon ausgegangen werden, dass die Wahrscheinlichkeit eines Mac-Kryptobetriebssystems sehr hoch gewesen wäre, wenn sich weitere Kapitalgeber gefunden hätten. Schmitz strebte in seinem Businessplan einen Marktanteil von 10% nach den ersten sechs Monaten an, die Community sehnte sich damals nach neuen Möglichkeiten, ihre Macs zuverlässig zu betreiben. Das holprige System 7 hätte einen außergewöhnlichen Konkurrenten bekommen.

Aus den Unterlagen, die ApfelWiki im September 2006 zugespielt bekam, ergeben sich weitere interessante Details:

  • Die Firma verfügte über ein beachtliches Geschäftsvermögen und einem stillen Gesellschafter, der ausgewechselt werden sollte, da es dort augenscheinlich größere Differenzen gab. Schmitz hatte jedoch die alleinigen Rechte an dem Code und die Entwicklerkontakte. Da auch die laufenden Kosten des Unternehmens nicht unerheblich waren, wurde ein kurzfristiger erheblicher Kapitalbedarf benötigt und eine nahezu siebenstellige Summe bis zur Gesamtfertigstellung, die mit noch ca. einem Jahr angegeben und in drei Phasen geplant war.
  • Das fertige Produkt sollte gegen Mac OS 8.1 antreten, für 68k-Macs, PPC-Macs und Clones, CHRP-Mschinen und Intel-PCs verfügbar sein.
  • Angeblich bestand eine sehr enge Verbindung zur internen Betriebssystementwicklergruppe von Apple, und mit der Einstellung von Copland war eine kurze Irritation eingetreten, wie es weitergehen würde. Diese internen Entwickler sollten die Kompatibilität zu MacOS gewährleisten.
  • Als Basis des COS wurden verschiedene, teils experimentelle Betriebssysteme wie Spring von Sun genannt, aber auch die NSA (National Security Agency), aus der in Form einer ausgeschiedenen Mitarbeiterin die Kryptographiekenntnisse von Omega stammen sollten. Eine kuriose Entwicklung, hatte man doch damals ehemalige Stasi-Spezialisten hinter der Software vermutet. Das Entwicklerteam von Omega führte aber noch weitere illustre Gestalten, die nur mit ihren Vornamen vorgestellt wurden und die bereits Erfahrungen in der NATO, der NSA der DIA und anderen Organisationen gesammelt haben sollten. Auch wenn an dieser Stelle des Dokuments wieder Entwickler von Apple genannt, die zum Teil auch noch bei Apple beschäftigt gewesen sein sollten. Ein große, schlagfertige Truppe, die über die Schweiz, Japan und Deutschland verteilt war, sofern die Angaben stimmen. Um die Sache noch ein wenig spannender zu gestalten, arbeiteten die Entwickler über ein nichtziviles, flächendeckendes Breitbandnetz der NATO C3-Agency, angeblich WorldLink genannt. Allerdings lässt sich das nicht recherchieren, ein solches Netz scheint nicht (mehr) bekannt. Die Aussage, die Entwickler dürften ein solches Netz für private Zwecke nutzen, erscheint unglaubhaft.
  • COS im militärischen und nachrichtendienstlichen Bereich erschien als eine lohnende Zielgruppe, da annähernd kein Mitbewerber auszumachen war.
  • Im zivilen Bereich wurden Ärzte, Kliniken, Versicherungen, Behörden, Anwälte uvm. als Zielgruppe bezeichnet. Der wesentlich größere Markt der Mac-Enthusiasten wurde an dieser Stelle nicht mehr erwähnt.

7.  Fazit

Nach Sichtung der Unterlagen und nach Aussagen eines Augenzeugen von damals war Schmitz kein Taschenspieler und das gesamte Omega-Projekt kein Fake, zumal es in den damaligen gebeutelten Mac-Markt gut hineingepasst hätte. Das Gegenteil ist allerdings auch nicht auszuschließen. Dagegen spricht allerdings der enorme Aufwand, der hier getrieben wurde, außerdem die Detailverliebtheit und das schauspielerische Vermögen von Schmitz. Omega und COS scheinen somit ein unternehmens- und technikhistorisches Kuriosum zu sein und können als solches in die Computergeschichte eingehen. Vielleicht war es aber auch der größte Fake, den die Mac-Gemeinschaft je erlebt hat.

8.  Verweise

Kategorie
Apple, Betriebssystem, Historisches

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Zuletzt geändert am 03.02.2007 18:10 Uhr von Walljet (1 Besuche)

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